03.06.26
Trends kommen, Trends bleiben — und manche sterben in unserem Lager
2017 verkauften wir 200 Einhorn-Pflaster im Monat. Acht Jahre später liegen die letzten Schachteln in einer Lagerecke wie Zeitkapseln — Beweise einer Ära, in der man Hörner an alles klebte, was nicht bei drei auf dem Baum war.
Das ist die Geschichte, die wir in den nächsten neun Wochen erzählen wollen. Nicht aus Nostalgie. Sondern weil unser Lager das ehrlichste Trend-Archiv ist, das wir haben: Was hier liegt und nicht mehr geht, war einmal Mainstream. Was hier blieb, ist Klassiker geworden. Und was wir gerade frisch eingekauft haben, könnte in drei Jahren genau dort enden, wo das Einhorn jetzt liegt.
Trends sind keine Mode. Sie sind Spiegel.
Wenn ein visueller Trend über mehrere Jahre läuft, dann nicht, weil ein Designer ihn ausruft. Sondern weil er eine kollektive Stimmung trifft. Das Einhorn explodierte 2015 bis 2017 in einer Zeit, in der "Squad Goals" und Tumblr-Pastell-Aesthetic das Bedürfnis nach unschuldiger Eskapation in eine vor-Trump-Welt bedienten. Das Faultier wurde 2016 durch Zootopia zum Anti-Hustle-Symbol — gerade als die ersten Burnout-Debatten in Mainstream-Magazinen auftauchten. Der Kaktus bediente die Plant-Mom-Generation, die keinen Garten besass, aber Verantwortung übernehmen wollte. Der Axolotl kam 2021 mit dem Minecraft Caves & Cliffs-Update genau dann, als die Pandemie uns kleine, harmlose Wesen brauchen liess.
Jeder Trend hat einen kulturellen Auslöser, eine emotionale Funktion und eine Halbwertszeit. Manche werden zu Klassikern. Die meisten sterben.
Der Lebenszyklus, kurz erklärt
Ein typischer Trend durchläuft vier Phasen:
- Auslöser — ein Film, ein Meme, ein Influencer, ein Game. Das Einhorn hatte Starbucks. Das Faultier hatte Disney. Der Axolotl hatte Mojang.
- Mainstream — die grossen Brands springen auf. Bei Manor, Coop, Migros füllen sich die Regale. Bei uns auch.
- Sättigung — alle Bedeutungen erschöpft. Es kommt nichts Neues mehr.
- Tod oder Verstetigung — entweder verschwindet der Trend komplett (Faultier), oder einzelne Stücke werden zu lieferbaren Klassikern (Einhorn-Ramen-Schüssel, Kaktus-Wohnschwamm).
Drei Schicksale aus unserem eigenen Lager
Das Faultier ist komplett tot. Was wir nach 2018 eingekauft haben, ist heute fast ausnahmslos vergriffen. Der Trend ist im kollektiven Bewusstsein abgehakt.
Der Kaktus hat sich verstetigt. Das Spitzen-Sortiment von 2017 bis 2019 ist Auslaufware, aber ein paar Stücke (Spülschwämme, Salz- und Pfefferstreuer, eine Kordelseife) verkaufen sich auch heute noch ruhig. Aus dem Hype ist ein Wohn-Klassiker geworden.
Der Axolotl ist frisch. Wir haben 75 Stressbälle auf Lager. Das ist die jüngste Welle — irgendwann wird auch sie kippen, aber heute ist sie voll im Mainstream.
Was kommt in den nächsten Wochen
Wir gehen die Trends nicht chronologisch durch, sondern von "lebt" zu "tot". Anfangs schauen wir, was gerade frisch ist — und am Ende öffnen wir die Lagertüren zu den Trends, die ausverkauft werden, bevor sie ganz verschwinden.
- 9. Juni — Axolotl (2021 bis heute). Wie Minecraft eine echte Tierart in den Mainstream brachte.
- 16. Juni — Dackel (2023 bis heute). Die Sausage-Dog-Renaissance und warum Brat Summer alles veränderte.
- 23. Juni — Capybara (2022 bis heute). "OK I Pull Up" und das grosse Wellness-Tier.
- 30. Juni — Kawaii und Sanrio (2018 bis heute). Hello Kitty wird 50, Pusheen schläft im Archiv.
- 7. Juli — Kaktus (2016 bis 2020). Urban Jungle und die Plant-Mom-Ära.
- 14. Juli — Faultier (2016 bis 2019). Zootopia, Anti-Hustle und warum kein Kostüm mehr verkauft wird.
- 21. Juli — Flamingo (2016 bis 2019). Pool-Floats, Rose Gold und der Sommer, in dem alles pink war.
- 28. Juli — Einhorn (2015 bis 2018). Vom Starbucks-Frappuccino zur Lagerleiche — und warum die Ramen-Schüssel überlebt hat.
- 4. August — Was kommt 2026/27? Unsere Wette: welcher Trend kippt als Nächster, welcher kommt frisch.
Bevor wir loslegen
Jeder Post in dieser Serie endet mit zwei Boxen: Letzte Chance mit den Auslaufstücken, die wir noch im Lager haben, und Was geblieben ist mit den Klassikern, die wir weiter beziehen.