07.07.26
Kaktus: Wie die stachelige Zimmerpflanze zum Mega-Trend wurde — und wieder verschwand
Manche Trends sterben leise — der Kaktus ging mit einem letzten Piks. Zwischen 2016 und 2020 war die stachelige Wüstenpflanze plötzlich überall: auf Kissen und Tassen, auf Socken und Handyhüllen, auf Millionen von Instagram-Fotos. Dann, fast über Nacht, war der Zauber vorbei. In unserer Serie über zehn Jahre Trends ist der Kaktus der erste, der es nicht geschafft hat — der erste Bewohner unseres kleinen Trend-Friedhofs. Höchste Zeit für einen liebevollen Nachruf.
Wann es losging: der Sommer 2016
Den Startschuss kann man ziemlich genau datieren. Im September 2016 erschien der Bildband «Urban Jungle: Living and Styling with Plants» — und war innert einer Woche ausverkauft, später in zehn Sprachen übersetzt. Zeitgleich explodierten die Zahlen: Pinterest meldete für 2017 einen Anstieg der Suchen nach Zimmerpflanzen um über 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und laut dem US-amerikanischen National Gardening Report gehörten fünf von sechs Millionen neuen Hobbygärtnern zur Generation der unter 35-Jährigen. Die Pflanze der Stunde? Der Kaktus — pflegeleicht, fotogen und mit gerade genug Wüsten-Coolness.
Wo es herkam: aus der Wüste ins Wohnzimmer
Kakteen stammen fast ausschliesslich aus Amerika, von den Prärien Kanadas bis nach Patagonien. Ihr Erfolgsgeheimnis: Sie speichern Wasser in ihren dicken Trieben und überstehen so monatelange Trockenheit — genau das machte sie zur idealen Zimmerpflanze für eine Generation, die zwar ein Instagram-taugliches Zuhause wollte, aber nicht unbedingt einen grünen Daumen hatte. Dazu kam die Ästhetik: Die «Urban Jungle»-Bewegung, der Coachella- und Joshua-Tree-Look und die aufkommende Sehnsucht nach Wüstenromantik machten den Kaktus zum Symbol eines ganzen Lebensgefühls.
Warum es uns alle erwischte
Der Kaktus traf einen Nerv. Für eine Generation, die sich in teuren Städten kaum eine grosse Wohnung — geschweige denn einen Garten — leisten konnte, wurde die Zimmerpflanze zum erschwinglichen Stück Natur und zum Identitäts-Marker: Die «Plant Parents» waren geboren. Und es steckte mehr dahinter als reine Deko. Eine viel beachtete Studie im Journal of Physiological Anthropology (Lee et al., 2015) zeigte, dass schon die Beschäftigung mit Zimmerpflanzen Stress messbar senken kann — Blutdruck runter, Wohlbefinden rauf. Pflanzen als Selfcare, lange bevor das Wort in aller Munde war.
Wie die Industrie reagierte
Als der Trend Fahrt aufnahm, war kein Halten mehr. Primark verkaufte Kaktus-Kissen für ein paar Franken, H&M Home und Zara Home druckten die stachelige Silhouette auf alles von der Bettwäsche bis zum Duschvorhang, IKEA brachte Kaktus-Lampen, und von Urban Outfitters bis Søstrene Grene war die Form allgegenwärtig. Selbst das Kaktus-Emoji wurde zum kleinen Kult. Der Höhepunkt: Man musste den Trend gar nicht mehr erklären — ein grüner Umriss mit zwei Ärmchen genügte, und alle wussten Bescheid.
Wie es bei uns ankam
Auch bei uns im Lager stapelten sich in den Hochjahren die Kaktus-Artikel — vom Nachtlicht über den Türstopper bis zur Spardose. Heute ist ein Blick ins Regal wie ein Blick in ein kleines Trend-Museum: Das meiste ist längst ausverkauft und wird nicht mehr nachbestellt. Was übrig ist, sind die letzten Exemplare einer Ära. Wer also noch ein Stück Kaktus-Nostalgie möchte, sollte jetzt zugreifen — es kommt nichts mehr nach.
Letzte Chance: die letzten Kaktus-Schätze
- Salz & Pfeffer Streuer Kaktus — der Deko-Klassiker für den gedeckten Tisch.
- Kaktus Trinkflasche — erinnert daran, genug zu trinken (anders als der echte Kaktus).
- Kaktus Kordelseife — Sommerfrische fürs Bad, duftet nach Kokos und Zitrone.
- Kaktus Trocknerbälle — weiche Wäsche ganz ohne Weichspüler.
Was blieb, was ging
Der grosse Kaktus-Hype endete so schnell, wie er begonnen hatte. Ausgerechnet die Pandemie gab ihm den Rest: Ab 2020 stürzten sich alle auf die grossen, üppigen Zimmerpflanzen — Monstera und Geigenfeige übernahmen das Wohnzimmer, der karge kleine Kaktus wirkte plötzlich zu unspektakulär. Der Deko-Kaktus auf Kissen und Tassen wurde zum Zeitzeugen einer Ära.
Wie der Trend heute lebt
Und trotzdem: Ganz verschwunden ist der Kaktus nie. Denn während die Deko-Welle verebbte, blieb das Original — die Pflanze selbst. Ein echter Kaktus auf der Fensterbank ist heute kein Hype mehr, sondern einfach ein schöner, pflegeleichter Dauergast. Vielleicht ist das die eigentliche Lehre aus dieser Geschichte: Trends kommen und gehen, aber ein Kaktus überlebt sie alle — man muss ihn nur giessen. Selten.
Was wirklich bleibt: der echte Kaktus
- Kaktus-Aufzuchtset — alles, um deine eigenen kleinen Kakteen zu ziehen, mit garantierter Keimung.
- Fairy Castle Kaktus-Samen — züchte deine eigene kleine Kaktusburg (Cereus tetragonus), pflegeleicht und geduldig.
Quellen
- Zimmerpflanzen-Boom & «Urban Jungle» (Wikipedia): Wikipedia
- Kakteen — Herkunft & Wasserspeicherung (Wikipedia): Wikipedia
- Studie: Zimmerpflanzen senken Stress (Lee et al., 2015, Journal of Physiological Anthropology): PMC
- Kaktus-Emoji (Emojipedia): Emojipedia
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