25.05.26
Ist Sonnencreme gefährlicher als die Sonne? Der Fakten-Check
Die Schweiz schwitzt — und auf dem Balkon, am See und im Büro stellt sich dieselbe Frage: Wie viel Sonne ist eigentlich noch gesund? Ausgerechnet jetzt hält sich ein hartnäckiger Irrtum: In einer Umfrage von 2024 hielt jede siebte Person unter 35 Sonnencreme für gefährlicher als die Sonne selbst. Zeit für einen nüchternen Fakten-Check — ohne Panik, aber mit dem, was die Wissenschaft tatsächlich weiss.
Wie viel Sonne ist gesund?
Sonne ist nicht der Feind. Unser Körper braucht UV-Licht, um Vitamin D zu bilden — wichtig für Knochen, Muskeln und Immunsystem. Die gute Nachricht: Es braucht erstaunlich wenig. Wer Gesicht, Hände und Arme zwei- bis dreimal pro Woche kurz unbedeckt in die Sonne hält, deckt den Bedarf bereits. Bei einem UV-Index von 7 reichen für hellere Hauttypen rund zwölf Minuten. Stundenlanges «Bräunen» bringt für die Vitamin-D-Bildung nichts mehr — es erhöht nur das Risiko. Mehr Sonne ist also nicht mehr Gesundheit.
Der UV-Index: die wichtigste Zahl des Sommers
Wie viel Schutz du brauchst, verrät der UV-Index. Er misst die Stärke der UV-Strahlung. Faustregel: Ab einem Wert von 3 ist aktiver Schutz sinnvoll. Werte von 8 bis 11+ gelten als sehr hoch bis extrem — typisch für Hochsommer-Mittage und für die Berge, wo die Strahlung mit jeder Höhenstufe zunimmt. Den aktuellen Wert für deinen Ort findest du bei MeteoSchweiz oder in jeder Wetter-App. An Hitzetagen wie diesen liegt er fast überall im roten Bereich.
Mythen-Check: Sonnencreme
«Die Chemie in Sonnencreme macht Krebs.» Das ist der grösste Irrtum. Es gibt keinen belastbaren wissenschaftlichen Beleg, dass zugelassene UV-Filter beim Menschen Krebs auslösen. Der einzige bewiesene Auslöser von Hautkrebs ist die UV-Strahlung selbst. Umgekehrt zeigen Studien: Wer regelmässig Sonnencreme nutzt, senkt sein Melanom-Risiko um rund die Hälfte. Richtig ist, dass einzelne Filter in geringen Mengen in den Körper gelangen können — schädliche Folgen wurden beim Menschen aber nie nachgewiesen. Die Schweiz und die EU regulieren solche Stoffe vorsichtshalber streng: Höchstkonzentrationen wurden gesenkt, einzelne ältere Filter ganz verboten. Die Creme im Regal ist also gut untersucht.
«Mineralisch ist gesünder als chemisch.» Beide funktionieren. Mineralische Filter (Zinkoxid, Titandioxid) legen sich wie ein Spiegel auf die Haut, chemische wandeln die UV-Strahlung um. Keiner von beiden ist «giftig» — welche Creme du nimmst, ist Geschmackssache, kein Gesundheitsrisiko.
«Bei Wolken passiert nichts.» Falsch — bis zu 80 Prozent der UV-Strahlung dringen durch Wolken. Auch im Schatten und im Wasser bist du nicht vollständig geschützt.
«Hoher Lichtschutzfaktor heisst sorglos den ganzen Tag.» Auch nicht. Entscheidend sind die Menge (die meisten cremen viel zu dünn) und das Nachcremen alle zwei Stunden sowie nach dem Baden. Ein hoher LSF verführt nur dazu, länger in der Sonne zu bleiben.
«Mit Sonnencreme bekomme ich kein Vitamin D.» In der Praxis kaum ein Problem: Kaum jemand cremt so lückenlos und so oft nach, dass die Vitamin-D-Bildung wirklich blockiert würde.
Warum die Schweiz ein Hochrisikoland ist
Die Schweiz hat eine der höchsten Hautkrebsraten der Welt. Jedes Jahr erkranken über 3'000 Menschen an schwarzem Hautkrebs (Melanom), dazu kommen schätzungsweise 25'000 Fälle von hellem Hautkrebs. Rund 320 Menschen sterben jährlich am Melanom. Die Zahlen haben sich in 35 Jahren mehr als verdoppelt — auch, weil Sonnenbrände in Kindheit und Jugend das Risiko ein Leben lang erhöhen. Sonnenschutz ist hier also keine Kosmetik, sondern Vorsorge.
Fünf einfache Regeln für heisse Tage
- Mittagssonne meiden: zwischen 11 und 15 Uhr möglichst in den Schatten.
- Kleidung schützt am besten — dazu Hut und Sonnenbrille mit UV-Schutz.
- Sonnencreme grosszügig auftragen (ein gehäufter Esslöffel für den ganzen Körper) und alle zwei Stunden nachcremen.
- Kinderhaut besonders schützen — Sonnenbrände vor dem 18. Lebensjahr wiegen besonders schwer.
- Muttermale beobachten — neue oder veränderte Flecken im Zweifel dermatologisch abklären lassen.
Das Fazit ist unspektakulär — und genau deshalb gut: Geniesse die Sonne, aber mit Mass und mit Schutz. Die Sonnencreme ist nicht das Problem, sondern Teil der Lösung.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Hautveränderungen oder Fragen zu deinem Hauttyp wende dich an eine Dermatologin oder einen Dermatologen.